Forscher:innen im Portrait
Clemens Wurzinger, Universitätsassistent am Institut für Antike
Die Macht der Emotion
Wie beeinflussen antike Texte ihre Leser:innen? Welche Erkenntnisse bietet die römische Liebeselegie im Hinblick auf Emotionen und gesellschaftliche Veränderungen? Und wie kann Lateinunterricht heute zeitgemäß und sinnvoll gestaltet werden? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der wissenschaftliche Mitarbeiter Clemens Wurzinger, der sowohl in der Gräzistik als auch in der Latinistik tätig ist und sich auf die Wirkungsmacht von Texten, Literaturtheorie und Didaktik spezialisiert hat.
Textwirkung und Emotion
Im Zentrum seiner Forschung steht die Frage, wie Texte, insbesondere aus der Antike, auf ihre Leser:innen wirken und welche emotionalen und gesellschaftlichen Veränderungen sie auslösen können. Dabei verbindet Herr Wurzinger Literaturtheorie, insbesondere Performativitätstheorie und Emotional Studies, um zu untersuchen, wie antike Autoren wie Tibullus in der römischen Liebeselegie Themen wie Krieg, Frieden und Geschlechterrollen neu verhandeln. Seine Dissertation widmet sich der Wirkungsmacht dieser Texte im Kontext des augusteischen Friedens und analysiert, wie literarische Strategien und emotionale Ansprachen Leser:innen damals wie heute beeinflussen.
Resonanz und Weltbeziehung
Ein zentrales Projekt war Clemens Wurzingers Mitarbeit im Forschungsverbund „Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart“ (Graz, Erfurt), das auf der Resonanztheorie von Hartmut Rosa basiert. Hier untersuchte er, wie antike Texte als Resonanzräume fungieren und Beziehungen zwischen Individuum und Welt gestalten oder verändern. Die Ergebnisse dieser Arbeit flossen maßgeblich in seine Dissertation „Wie Literatur uns berührt. Von Immersion und Transformation bei Tibull“ (Graz, Erfurt: 2025) ein, die er gerade für die Publikation vorbereitet.
Didaktik und Innovation im Lateinunterricht
Neben der Forschung engagiert sich Clemens Wurzinger für innovative Ansätze in der Vermittlung von Latein. Im Rahmen des Sparkling-Science-Projekts LIDAL („SISTE VIATOR. Latein auf Stein 2.0. Lateinische Inschriften für digitales und außerschulisches Lernen“) unter der Leitung von Univ. Prof. Ursula Gärtner (Graz) wurde gemeinsam mit Schüler:innen eine digitale Plattform zu lateinischen Inschriften erstellt, die Übersetzungen und didaktische Materialien bereitstellt. Sein Ziel ist es, den Zugang zu Originaltexten zu erleichtern, die Freude an Literatur zu fördern und den Lateinunterricht zeitgemäß und analytisch zu gestalten, jenseits reiner Grammatikvermittlung.
Clemens Josef Wurzinger ist Universitätsassistent (Postdoc) am Zentrum der Antike und forscht zur Wirkung antiker Texte, insbesondere römischer Liebeselegie und Inschriften. Er verbindet moderne Literaturtheorie mit klassischer Philologie und engagiert sich in der Lehre sowie der Organisation von Tagungen und Workshops sowie dem „Antike Labor“ (unter der Leitung von Assoz. Prof. Margit Linder), in dem Workshops zur Antiken Welt für die breite Öffentlichkeit angeboten werden.