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Forscher:innen im Portrait

Britta Breser, Lektorin am Institut für Geschichte

Demokratie neu denken

Was bedeutet Demokratie im Alltag – und wie kann sie lebendig vermittelt werden? Wie gelingt es, demokratische Werte von der frühkindlichen Bildung bis zur universitären Lehre zu stärken? Und welche Rolle spielen Medien und internationale Netzwerke dabei? Britta Breser, Expertin für Demokratieforschung an der Universität Graz, widmet sich genau diesen Fragen und gestaltet mit Projekten und einzigartigen Initiativen die Zukunft der Demokratiebildung.

Einzigartig im deutschsprachigen Raum

Als Vize-Leiterin des neu gegründeten Forum Demokratieforschung an der Universität Graz gestaltet Britta Breser einen innovativen Resonanzraum für demokratische Praxis. Das Forum ist im deutschsprachigen Raum einzigartig: Es versteht Demokratie nicht nur als ein institutionelles Verfahren, sondern betont das „Demokratische“; also Haltungen und das Miteinander im Alltag. 

Britta Breser an einem Tisch sitzend mit Unterlagen in der Hand und Sonnenbrille nach hinten auf den Kopf geschoben ©Christian Jauschowetz
©Christian Jauschowetz

Ziel ist es, die Universität mit der Stadt Graz und vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen zu vernetzen und so gemeinsam an demokratischen Prozessen zu arbeiten. Das Forum bietet Raum für Demokratieforschung, Austausch, Workshops und gemeinsame Projekte, die demokratische Potenziale in der Gesellschaft sichtbar und nutzbar machen sollen. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Offenheit für Kooperationen mit Vereinen, Nachbarschaftsgruppen und anderen Akteur:innen, um so Demokratie als „Baustelle“ und fortlaufenden Prozess zu begreifen.

Demokratiebildung auf Kindesbeinen

Britta Breser leitet ein internationales Erasmus+ Projekt zur Demokratiebildung im Elementarbereich („Antibias education for early childhood teachers: learning through video coaching“). Gemeinsam mit Partnerinstitutionen aus Polen, Belgien, Norwegen und Spanien untersucht sie, wie demokratische Haltungen und Prozesse bereits im Kindergarten gebildet werden können. Die Forschung zeigt, dass Österreich im Vergleich zu anderen Ländern noch Nachholbedarf hat, insbesondere bei der Professionalisierung und Weiterbildung von Pädagog:innen. Das Projekt setzt auf Workshops und Fortbildungen, um die Demokratiearbeit vor der Schule zu stärken und gesellschaftliche Vielfalt von Anfang an konstruktiv zu begleiten. Die Ergebnisse und der große Zuspruch aus der Praxis unterstreichen den Bedarf und das Interesse an einer frühzeitigen Demokratiebildung.

Medien und Demokratie

Ein weiterer Schwerpunkt von Britta Breser ist das Zusammenspiel von Medien und Demokratie. Sie bringt ihre Erfahrungen als Journalistin ein und thematisiert die Rolle von Medien in demokratischen Prozessen: etwa durch Veranstaltungen mit Journalist:innen und Medienvertreter:innen. Gerade in einer Zeit, in der digitale Medien und Algorithmen den öffentlichen Diskurs prägen, ist die kritische Auseinandersetzung mit Medienkompetenz und demokratischer Teilhabe von großer Bedeutung. Breser betont, dass wir alle zu „Redakteur:innen“ geworden sind und dass die Universität als Ort des Austauschs und der Reflexion einen Beitrag dazu leisten kann, Medienbildung und Demokratiebildung zusammenzudenken.

Das spiegelt sich auch in ihrer Lehre wider. Hier legt Britta Breser großen Wert auf partizipative Ansätze und die Ermutigung ihrer Studierenden. Demokratie wird nicht von oben herab vermittelt, sondern gemeinsam im Alltag ausgehandelt. Breser versteht sich selbst als Lernende und fordert ihre Studierenden dazu auf, sich aktiv mit Kontroversen und Konflikten auseinanderzusetzen. Sie sieht Demokratiebildung auch als Persönlichkeitsbildung und setzt auf Resilienz, Vernetzung und die Förderung von kritischem Denken. Ihre Lehrveranstaltungen sind geprägt von Offenheit, internationaler Perspektive und der Bereitschaft, auch das Undemokratische als Potenzial für Demokratiebildung zu reflektieren.

 

Brita Breser ist seit 2015 Lektorin am Institut für Geschichte im Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik. Zudem war sie von 2023 bis 2026 Professorin für Demokratiebildung an der Universität Wien und von 2013 bis 2023 Professorin für Politische Bildung und Politikdidaktik an der Privaten Pädagogischen Hochschule in Graz. Sie absolvierte Forschungsaufenthalte in der Schweiz, Kanada, Israel und Norwegen sowie Lehraufenthalte in Belgien und Estland. 

 

→ Wer mehr über Demokratieforschung lernen möchte, kann am 29.5.2026 zum großen UniVibes Fest kommen, dort ist Britta Breser Teil einer “Guided Tour”.

Kurzportraits weiterer Wissenschaftler:innen der Fakultät

Sabine Schmölzer-Eibinger, Professorin für Deutsch als Zweitsprache und Sprachdidaktik
Şebnem Bahadır-Berzig - Professorin für Translationswissenschaft
Martin Klein - Professor für Philosophie der Antike und/oder des Mittelalters
Tanja Skambraks - Professorin für Geschichte des Mittelalters
Robert Felfe - Professor für Kunstgeschichte des 15. bis 17. Jahrhunderts
Clara Nicolay und Evelyn Urban - Universitätsassistentinnen am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft
Matthias Grawehr - Universitätsprofessor für Archäologie der Klassischen Antike am Institut für Antike
Michael Schmidt - Universitätsassistent am Zentrum für Wissenschaftsgeschichte
Dieter Bacher - Universitätsassistent am Institut für Geschichte
Stefano Saracino - Professor für Frühe Neuzeit am Institut für Geschichte
Harmen Grootenhuis - Universitätsassistent am Institut für Philosophie
Urh Ferlež - Universitätsassistent am Institut für Slawistik
Tabea Söregi - Universitätsassistentin am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie
Maria Katarzyna Prenner - Universitätsassistentin am Institut für Slawistik
Saptarshi Mallick - Universitätsassistent am Institut für Amerikanistik
Christina Mariella Fritz - Universitätsassistentin am Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaften
Walter Iber - Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am Institut für Geschichte
Melanie Hendler - Universitätsassistentin am Fachdidaktikzentrum Deutsch als Zweitsprache & Sprachliche Bildung
Sarah Frühwirth - Universitätsassistentin am Institut für Anglistik
Julian Blunk - Universitätsprofessor für Kunstgeschichte vom 18. bis 20. Jahrhundert am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft

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