Sabine Schmölzer-Eibinger, Professorin für Deutsch als Zweitsprache und Sprachdidaktik
Forschung, die ankommt!
Sabine Schmölzer-Eibinger widmet sich der Sprachdidaktik und Sprachlichen Bildung im Kontext von Mehrsprachigkeit. Ihre Arbeit umfasst eine Vielzahl von Projekten, die sowohl auf die Entwicklung als auch auf die Förderung von Sprachkompetenzen abzielen. In dem von ihr geleiteten Fachdidaktikzentrum Deutsch als Zweitsprache & Sprachliche Bildung liegt der Fokus auf Teamwork.
Raus aus dem Elfenbeinturm
Über Jahre hinweg haben sich Sabine Schmölzer-Eibinger und ihre Mitarbeiter:innen das Vertrauen von Schulen erworben. Das ist das Fundament, auf dem die Forschung des Fachdidaktikzentrums steht. So entstehen unter der Leitung von Frau Schmölzer-Eibinger u.a. auch Unterrichtsmaterialien, die nicht nur in Österreich, sondern weltweit eingesetzt werden. Das gelingt vor allem durch die aktive Zusammenarbeit mit Schulen und die Einbindung von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern. Dabei wird großer Wert auf die Bedürfnisse im Schulalltag gelegt; ein Umstand, der für die hohe Akzeptanz der Materialien sorgt. Die Forscherin fördert in all diesen Prozessen offene Kommunikation, konstruktive Kritik und gegenseitige Unterstützung im Team - Werte, die sich in der Qualität der Umsetzung widerspiegeln.
Argumentationsfähigkeit und Fake News
Viele Projekte der Forscherin haben zum Ziel, Jugendliche fürs Diskutieren und die aktive Mitsprache an gesellschaftlichen Diskursen fit zu machen, damit sie sich in unserer Welt zurechtfinden und für ihre Meinung einstehen können. Eines davon ist ein Projekt zur Förderung von Argumentationsfähigkeiten, in dem Jugendliche gesellschaftlich relevante Fragen zum Klimawandel wie z.B. zu Fast Fashion diskutierten. In diesem Projekt wurde von ihrem Team ein didaktisches Modell entwickelt, das mündliche und schriftliche Argumentationsfähigkeiten stärkt. Die Unterrichtsmaterialien, die basierend darauf entstanden sind, wurden über internationale Bildungsplattformen wie etwa des Goethe-Instituts verbreitet und bereits mehr als 721.000 Mal von Sprachenlehrer:innen genutzt (basierend auf Download-Zahlen) Das Projekt erhielt zwei renommierte Preise, das sind das Europäische Sprachensiegel und der Erasmus-Award.
Ein anderes Projekt widmete sich der Entwicklung eines neuen didaktischen Ansatzes zum Thema Fake News. Hier arbeitete das Team von Frau Schmölzer-Eibinger mit internationalen Partner:innen aus Tschechien, Kroatien und der Ukraine zusammen. Gemeinsam wurden auch Materialien entwickelt, die mit über 1000 Schüler:innen erprobt wurden. Ziel dabei war, kritisches Denken und einen kompetenten Umgang mit Falschinformationen in Texten zu fördern (https://fachdidaktikzentrum-daz.uni-graz.at/de/unsere-forschung/).
In einem aktuellen FWF-Projekt wird im Rahmen einer longitudinalen Interventionsstudie untersucht, wie Schüler:innen in Zeiten generativer KI Grundlagen wissenschaftlichen Denkens und Schreibens erwerben können. Dazu setzen sie sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit lebensweltlich relevanten Fragen wie z.B. „Wie schädlich ist eigentlich Vapen?“ auseinander. Dafür wurden Unterrichtsmaterialien entwickelt, die in 18 Klassen erprobt und evaluiert wurden und demnächst auf der Homepage des Fachdidaktikzentrums zum Download bereitgestellt werden.
Textkompetenz & Mehrsprachigkeit
Ein weiterer Schwerpunkt in Frau Schmölzer-Eibingers Arbeit liegt auf dem gezielten Einsatz von Mehrsprachigkeit im Unterricht. Ihr Team entwickelt Ansätze, mit denen Schüler:innen ihre eigenen Standpunkte zu kontroversen Themen mehrsprachig äußern können. Gemeinsam mit Schulen sollen Leitlinien für den Umgang mit sprachlicher Vielfalt konzipiert werden, die allen in der Schule als Orientierung dienen können.
Sabine Schmölzer-Eibinger und ihr Team zeigen, wie wichtig Sprache und Mehrsprachigkeit im schulischen Alltag sind – sei es beim Argumentieren, wissenschaftlichen Schreiben oder im Umgang mit Fake News. Dadurch sorgt ihre Arbeit dafür, dass Forschung direkt im Unterricht und im Leben der Schülerinnen und Schüler ankommt.
Sabine Schmölzer-Eibinger ist seit 2014 Professorin für Deutsch als Zweitsprache und Sprachdidaktik an der Universität Graz. Sie war Gastprofessorin an der Universidad de La Habana, der Humboldt-Universität zu Berlin und an der UNAM (Nationale Autonome Universität Mexiko). Seit 2019 ist sie die Leiterin des Fachdidaktikzentrums Deutsch als Zweitsprache & Sprachliche Bildung, sie leitet auch das Habilitationsforum Fachdidaktik & Unterrichtsforschung und ist Sprecherin des Wissenschaftlichen Beirats von FUTURE EDUCATION.