Rektor Peter Riedler, der den Abend eröffnete, hob die Leistungen an der Fakultät hervor. Er sprach sich für geistige Breite und Grundlagenforschung aus und betonte die Bedeutung von Schnittstellen unterschiedlicher Disziplinen, welche sich Universitäten als Basis für die Zukunft nutzbar machen sollten.
Dekan Arne Ziegler knüpfte an und drückte seine Freude über die Berufung der beiden hochkarätigen Professor:innen aus.
Edeltraud Aspöck wurde von Studiendekanin Margit Reitbauer vorgestellt. Reitbauer betonte die innovativen Forschungsansätze, die Aspöck – Professorin für Digitale Archäologie – verfolge und mit diesen sie bereits im Zuge ihres Studiums maßgeblich zur Weiterentwicklung der digitalen Archäologie beigetragen habe.
Diebstahl oder kulturelle Praxis? Analoge und digitale Forschung zu frühmittelalterlichen Graböffnungen lautet der Titel des Vortrags, mit dem Aspöck das zahlreich erschienene Publikum in ihre Forschungswelt mitnahm. Sie untersucht nachträgliche Eingriffe in Gräbern und die Entnahme von Gütern, die nicht unbedingt immer als wertvoll einzustufen sind. Sind diese Störungen Plünderungen und damit Freveltaten oder greife das zu kurz? Könnte es sich auch um Teile eines Übergangsrituals handeln? Dies sind auch die Leitfragen in ihrem vom European Research Council finanzierten Projekt The Present Dead.
Dekan Ziegler übernahm die Vorstellung von Julian Blunk, der 2025 dem Ruf auf die Professur für die Kunstgeschichte des 18.-20. Jahrhunderts an der Uni Graz gefolgt war. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Kunst und Architektur des Historismus, der Malerei und Skulptur der Moderne sowie auf der Fotografie- und Filmgeschichte.
Mit einem Blick auf die Verflechtungen von Kunst, Architektur und gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen sprach Julian Blunk in seinem Antrittsvortrag über Stilsuche und Heimsuchung: Die Schattenseiten des Historismus. Wie schon der Titel verdeutlicht, ging es also um mehr als nur Stilfragen.
Blunk ortete hinter der im Historismus fehlenden Ausbildung eines eigenen Epochenstils eine Wiederbelebung von Geistern aus der Vergangenheit. Die Neuauflage eines alten Stils sei immer auch Ausdruck einer Weltanschauung und der Schritt von Stil zu Spuk ein kurzer. Neo-Stile führen ein untotes Nachleben, sie ähneln Geistern, mit denen eine eigene Dynamik einhergehe und die „Spukdebatten“ und „Spuknarrative“ auf den Plan rufen.
Der nächste Termin im Rahmen des Formats „Im Doppelpack“ findet am 9.6. statt. Am Programm stehen die Antrittsvorlesungen von
Susanne Kogler (Institut für Kunst- und Musikwissenschaft): Die Natur als Protagonistin in neuer Musik
Robert Felfe (Institut für Kunst- und Musikwissenschaft): Bilder „nicht von Menschenhand“? – Dimensionen des Naturselbstdrucks in Zeiten medialen Wandels