Petrus von Poitiers Compendium historiae. Ein lebendiges Werk
Petrus von Poitiers konzipierte das Compendium historiae in genealogia Christi im Paris des späten 12. Jahrhundert, einer Zeit des intellektuellen Aufbruchs. Das in Form einer genealogischen Graphik angelegte Werk vermittelt in knapper Form einen Überblick über die biblische Geschichte von Adam bis Christus, wobei alle direkten Vorfahren Christi, die Linien von Herrschern, Priestern und Richtern sowie Propheten repräsentiert sind. So vermittelt sich ein synoptisches Bild diachroner wie synchroner Beziehungen von Personen und Ereignissen, gleichsam eine Zeitkarte. Das graphisch innovative Werk verbreitete sich bald im gesamten lateinischen Westen, sowohl auf Rollen wie in Codices (dort meist als Mitüberlieferung).
Das Projekt erfasst mehr als 320 (darunter etwa 80 im Projekt neu identifizierte) Handschriften. Die Breite und Vielfalt der Überlieferung wurde in einer Datenbank dokumentiert, wodurch sich nun ein präzises Bild der Transmissionskontexte wie der Werkvarianten ergibt. Wesentlich sind eine frühe “kurze” sowie eine “interpolierte” und eine „lange“ Textfassung, die aber in graphisch und visuell heterogener Form erscheinen (Varianzgruppen konnten bereits identifiziert werden). Die“kurze Fassung“ wurde durch einen kritischen Text und einen navigierbaren Graph ediert, der in weiteren Präsentationsschichten Teilabschnitte des Werks zugänglich macht. Ein wissenschaftlicher Kommentar zur graphischen Struktur des Werks, seinen exegetischen Diagrammen und zur historischen und geistesgeschichtlichen Verortung wurde erarbeitet. Alle Ergebnisse sind über ein online-Portal zugänglich.
Auf dieser Grundlage soll in einer zweiten Phase das Compendium historiae als “lebendes Werk” analysiert werden, das in der räumlich und zeitlich ausgreifenden dynamischen Aneignungen eine enorme Varianz (hinsichtlich seiner graphischen Struktur, der Texte, aber auch der Diagramme und der Bildausstattung) entfaltet. Damit treten stärker als bisher die Funktionen des Werks für verschiedene Adressatenkreise sowie sein Einfluss und seine Wirkung in den Blick.
| Projektzeitraum | 01.06.2026 - 31.05.2029 |
| Fördergeber Förderprogramm | FWF Weave |
| Bewilligungssumme | € 472.908 |
| Einheit | Institut für Digitale Geisteswissenschaften |
| Profilbereich | Dimensionen Europas |
| Schwerpunktbereich der Fakultät | |
| Projektverantwortung | Mag. Roman Bleier, MA PhD |
| Projektmitarbeiter:innen | Chiara Citro, BA. Annabelle Kienzl, BA. Jakob Sonnberger, BA |
| Projekthomepage | https://gams.uni-graz.at/chigc |