Anna Volodina, Senior Scientist am Institut für Germanistik
Auf die Frage kommt es an!
Wie entstehen eigentlich neue Wörter? Warum sagen wir „zwei Pizzen“ oder „zwei Pizzas“ und nicht „zwei Pizze“? Was macht Sprache so wandelbar? Und was machen denn Linguist:innen eigentlich genau?
Wer sich mit Sprache beschäftigt, stößt immer wieder auf spannende Fragen – und genau diese Neugier prägt die Arbeit von Anna Volodina, Senior Scientist am Institut für Germanistik. Ihr populärwissenschaftliches Buch „Wenn Kinder fragen. Antworten auf 21 Kinderfragen rund um die deutsche Sprache“ (2025, IDS-Verlag) zeigt: Die besten Einsichten entstehen, wenn wir uns trauen, Fragen zu stellen.
Offen für Neues
Ob im Gespräch mit Kindern oder in der wissenschaftlichen Analyse: Für Anna Volodina steht das Fragenstellen im Zentrum. Ihr Buch entstand aus echten Kinderfragen, gesammelt bei Aktionstagen am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (Mannheim). Die Antworten sind so gestaltet, dass sie nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen neue Perspektiven auf die deutsche Sprache eröffnen. „Wer hat das Gendern erfunden?“, „Was ist das längste Wort mit dem Buchstaben „E“?“ Diese und viele weitere Fragen beantwortet Anna Volodina offen, leicht verständlich und natürlich so, dass sie zum Weiterfragen anregen. Für Frau Volodina ist das der Kern von Wissenschaft: Neugierig bleiben, genau hinschauen und offen für Unerwartetes sein.
Grammatik und Sprachwandel
In ihrer akademischen Forschung widmet sich Anna Volodina vor allem zwei zentralen Themen: Zum einen untersucht sie die Grammatik des gesprochenen Deutsch, insbesondere Strukturen, die vom Standard abweichen. Dazu gehören etwa Nebensätze mit Verbzweitstellung („Er ist sicher nicht da, weil sein Auto steht nicht vor der Tür.“), die sie in ihrer Dissertation genauer in den Blick genommen hat. Ein zweiter Schwerpunkt ihrer Forschung verdeutlicht ebenfalls, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen – bzw. hinzuhören – und dann die richtigen Fragen zu stellen. Sie erforscht Konnektoren, also Wörtern wie weil, obwohl oder denn, die Sätze miteinander verbinden. Daran interessiert sie besonders, wie sich die Bedeutung und Funktion dieser Verknüpfungswörter im Sprachgebrauch verändern. So ist der Forscherin aufgefallen, dass „weil“ nicht nur als Konnektor, sondern bei entsprechender Intonation auch als Fragewort gebraucht wird. Wie sich diese Funktion von weil herausgebildet hat, wird im aktuellen Artikel „Und Sie sind hier, weil(?) Zum inquisitiven weil im Deutschen“ näher untersucht.
Neugier fördern, Fragen zulassen
Auch in der Lehre setzt Anna Volodina auf die Kraft der guten Frage. Sie ermutigt Studierende, eigene Forschungsfragen zu entwickeln und mit korpuslinguistischen Methoden zu arbeiten. Ziel ist es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern die Freude am Entdecken und das kritische Nachfragen zu fördern. Denn: Wer fragt, bleibt neugierig – und gestaltet die Sprache von morgen aktiv mit.
Anna Volodina ist eine an der Universität Heidelberg promovierte Germanistin und seit März 2025 Senior Scientist an der Universität Graz. Zuvor war sie viele Jahre in der Abteilung Grammatik des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim sowie an den Universitäten Kassel, Frankfurt a. M. und Leipzig in unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen tätig. Als Ko-Autorin legte sie 2014 mit dem „Handbuch der deutschen Konnektoren-2" (de Gruyter) ihre zweite Monografie vor. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen nicht-kanonische Strukturen des Deutschen, Korpuslinguistik und Mehrsprachigkeitsforschung.