Forscher:innen im Portrait
Martin Klein: Professor für Philosophie der Antike und/oder des Mittelalters
Neue Erkenntnis?
Welche Rolle spielt der Intellekt beim Erinnern? Wie prägen antike und mittelalterliche philosophische Ansätze unser Verständnis davon und was verbindet diese alten Theorien mit einer modernen Debatte über Bewusstsein? Philosoph Martin Klein widmet sich in seinem Forschungsfeld den Theorien der Erinnerung und des Bewusstseins im Mittelalter, sein Fokus liegt dabei auf der Geschichte der Philosophie des Geistes im 13. und 14. Jahrhundert.
In seiner Forschung untersucht Martin Klein die engen Verbindungen zwischen Erinnerung und Bewusstsein, die sowohl in der antiken als auch in der mittelalterlichen Philosophie eine zentrale Rolle spielen. Er konzentriert sich dabei auf die Verbindung zwischen Erinnerung und Selbstbewusstsein, wobei er letzteres als das Bewusstsein einer Person von sich selbst und ihrer mentalen Vorgänge versteht. Laut Martin Klein hält sich nun hartnäckig die Vorstellung, dass es die Idee des Bewusstseins eine wäre, die erst mit Descartes oder der Frühen Neuzeit entstanden sei. Doch bereits im Mittelalter diskutieren Denker:innen ganz ähnliche Themen. Und wenn man diese genauer betrachtet, so Klein, gibt es da Theorien des Bewusstseins, die man mit heutigen Ansätzen vergleichen kann.
Ein aktuell geplanter Band (Theorien der Erinnerung: Texte zu einer mittelalterlichen Debatte, Klostermann Verlag) beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Darin will Martin Klein zusammen mit Dominik Perler aufzeigen, wie die Werke der arabischen Philosophen Averroes und Avicenna eine wichtige Grundlage für mittelalterliche Denker wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin waren, Aristoteles’ Theorie der Erinnerung zu rezipieren. Daneben war Augustinus eine wichtige Quelle für die mittelalterliche Debatte. Diese Synthese wurde an den mittelalterlichen Universitäten intensiv diskutiert. Später stellte wiederum Johannes Duns Scotus eine Theorie der Erinnerung auf, in der sich schon die Frage nach personaler Identität und der Bedeutung der Erinnerung für diese stellt und die damit bereits Ansätze einer frühneuzeitlichen Theorie von John Locke zeigt.
Diese historischen Perspektiven werden von Martin Klein auch in seine Lehre eingebunden, indem er die mittelalterliche vor dem Hintergrund der antiken Philosophie darstellt und deren Einfluss auf die Frühe Neuzeit beleuchtet. Dabei legt er auch Wert darauf, systematische Verbindungen zu aktuellen philosophischen und psychologischen Debatten herzustellen und stellt philosophische Kontroversen vor, um unterschiedliche Perspektiven und Denkrichtungen für seine Student:innen sichtbar zu machen.
Martin Klein studierte Philosophie, Geschichte und Theologie in Berlin, Toronto, Groningen und Rom. Er dissertierte mit einer später bei Brill veröffentlichten Arbeit über die Philosophie des Geistes im Spätmittelalter an der Humboldt Universität zu Berlin und absolvierte in den Folgejahren Studien- und Forschungsaufenthalte in Toronto und Paris. Seit Herbst 2025 ist er Professor für Philosophie der Antike und/oder des Mittelalters an der Universität Graz.