In this talk I will offer another piece of empirical evidence showing that the still quite common assumption that the diachronic processes of grammaticalization and subjectification necessarily go hand in hand cannot be maintained. The casus belli are four modal verbs in Dutch: kunnen ‘can’, mogen ‘may’, moeten ‘must’, and hoeven ‘need’. In the last few hundred years these auxiliaries have shown a distinct tendency to regain autonomy, and to get used as main verbs again. Still, they are continuing on their semantic subjectification path (i.e. there is no return to ‘objective’ meanings, not even in the new autonomous uses). I will offer an explanation for these developments, which at once illustrates why highly subjective meanings (e.g. epistemic modality or inferentiality) do not necessarily ‘like’ a highly grammatical status.
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In diesem Vortrag werde ich einen weiteren empirischen Beleg dafür vorlegen, dass die nach wie vor weit verbreitete Annahme, wonach die diachronen Prozesse der Grammatikalisierung und Subjektivierung zwangsläufig Hand in Hand gehen, nicht aufrechterhalten werden kann. Als Ausgangspunkt dienen vier Modalverben im Niederländischen: kunnen ‚können‘, mogen ‚dürfen‘, moeten ‚müssen‘ und hoeven ‚müssen‘. In den letzten paar hundert Jahren haben diese Hilfsverben eine deutliche Tendenz gezeigt, ihre Autonomie zurückzugewinnen und wieder als Hauptverben verwendet zu werden. Dennoch setzen sie ihren Weg der semantischen Subjektivierung fort (d. h. es gibt keine Rückkehr zu „objektiven“ Bedeutungen, nicht einmal in den neuen autonomen Verwendungen). Ich werde eine Erklärung für diese Entwicklungen anbieten, die zugleich verdeutlicht, warum stark subjektive Bedeutungen (z. B. epistemische Modalität oder Inferentialität) einen stark grammatikalischen Status nicht unbedingt „mögen“.