Ein literarischer Blick durch die Linse von Gerhard Roth
Der steirische Schriftsteller Gerhard Roth (1942–2022), der auch Fotokünstler war, hinterließ rund 60.000 Aufnahmen – von Alltagsmomenten über Landschaften bis zu abstrakten Motiven. Dabei fing er das Leben in der Südsteiermark ebenso ein wie Eindrücke von Reisen nach Amerika, Ägypten oder Japan. Viele seiner Aufnahmen erschienen in Bildbänden wie Atlas der Stille sowie Über Land und Meer oder anderen Publikationen wie Im unsichtbaren Wien oder Spuren.
Etwa 40.000 Fotos aus den Jahren 1977 bis 2017 hat das Franz-Nabl-Institut für Literaturforschung der Universität Graz digitalisiert und mit über 200 Schlagworten versehen. Das digitale Fotoarchiv samt Infos zu Gerhard Roth und seinen Werken ist auf gams.uni-graz.at/roth abrufbar. Aufgrund von datenschutzrechtlichen Einschränkungen ist dafür ein Passwort nötig, das bei der Betreuerin der Sammlung daniela.bartens(at)uni-graz.at erhältlich ist.
Ein Interview mit Gerhard Roth aus dem Jahr 2012 finden Sie im Magazin UNIZEIT.
Palliativarbeit: Zu Ende gedacht
Was benötigen Menschen am Lebensende – über die medizinisch-pflegerische Versorgung hinaus? Der Philosoph und ehemalige Krankenpfleger Patrick Schuchter erforscht im Rahmen des FWF-Projekts „Philosophische Praxis in Palliative Care und Hospizarbeit“ mit seinem Team, wie Philosophische Praxis Sterbenden, Angehörigen und Helfenden Unterstützung geben kann.
In den Gesprächen mit den betroffenen Menschen geht es dabei um das gemeinsame Erkunden von Lebensfragen: Habe ich gut gelebt? Worauf kommt es an? Was kommt nach dem Tod? Die Teilnehmenden erlebten die Gespräche als inspirierend und entlastend. „Ganz offensichtlich gehört nicht nur der Körper versorgt, sondern auch das geistige Wesen kultiviert“, fasst Schuchter zusammen.
Gegenwärtig arbeite das Projektteam an Vorschlägen, wie Philosophische Praxis in das Gesundheits- und Sozialsystem integriert werden kann.
Zum Unizeit-Artikel (2025)
Zwischen den Zeilen lesen
Mittelalterliche Glossen – Rand- und Zwischenbemerkungen in Handschriften – untersucht Bernhard Bauer vom Institut für Digitale Geisteswissenschaften, um Sprachkontakte und Wissensweitergabe im Frühmittelalter zu erforschen. Dabei geht es u.a. um altirische, altbretonische und altwalisische Anmerkungen in lateinischen Werken wie Priscians Grammatik oder Bedas Kalendertraktat. Besonders faszinieren Bauer persönliche Notizen irischer Schreiber über ihren Alltag: „Solche persönlichen Informationen sind interessanterweise nur in irischen Notizen zu finden.“
Dank digitaler Faksimiles und automatischer Texterkennung kann heute effizient transkribiert werden, doch manche Details erfordern noch die Arbeit am Original. Ziel des Projekts Glossit ist es, die Wege des Wissens und der Mehrsprachigkeit sichtbar zu machen. „Die Glossen zeigen, wie gelehrte Kommunikation damals funktionierte – oft über Sprachgrenzen hinweg“, so Bauer.
Zum Unizeit-Artikel (2025)