Termin: 11.03.2026, 16:30-18:00 Uhr: “Antikes Theater auf dem Gebiet der Steiermark?”, Ao.Univ.-Prof. Dr.phil. Mag. Manfred Lehner, Universität Graz
Es gibt keinen römischen Theaterbau in der heutigen Steiermark. Auch schriftliche, bildliche oder archäologische Hinweise auf Theateraufführungen (ludi scaenici) fehlen. Das nächstgelegene echte Bühnentheater stand in Virunum (Kärnten); aus der Steiermark sind nur zwei Amphitheater bekannt. Antike Festspiele (ludi) umfassen neben religiösen Prozessionen, circenses (Wagenrennen) und munera (Gladiatorenkämpfen) jedoch stets auch szenische Aufführungen, warum nicht auch in der römischen Steiermark?
Die Vorlesung wirf einen facettenreichen Blick auf das Phänomen theatraler (Re-)Präsentation im steirisch-innerösterreichischen Geschichtsraum über zwei Jahrtausende. Reale Theatergebäude – das antike Amphitheater in Flavia Solva ebenso wie das italienische Opernhaus am Tummelplatz oder das 1776 (!) eröffnete Schauspielhaus – sollen dabei ebenso vorgestellt werden wie bemerkenswerte Aufführungen (etwa ‚Orfeo ed Euridice‘ des Hofkapellmeisters Johann Josef Fux) oder konkrete Bühnenstars (wie Johann Nestroy, der vor 200 Jahren seine Karriere als Komiker in Graz begann). Der Theaterbegriff soll aber nicht nur gegenständlich, sondern auch metaphorisch-systemisch erfahrbar werden: als Chiffre für berühmte Sammelunternehmen (wie das ‚Theatrum orbis terrarum‘) oder auch als Umschreibung für ‚theatrale‘ Inszenierung in verschiedenen Feldern. Dementsprechend werden auch kartographische Repräsentationen der Steiermark, Gerichts- und Sportspektakel oder Inszenierungen von Glaubensritualen, politischer Macht und Weiblichkeit u.a.m. ihren Platz finden.