1. Termin: 04.03.2026, 16:30-18:00 Uhr: “Ambulantes Berufstheater in der Steiermark bis 1776”, Assoz. Prof. Mag. Dr. Christian Neuhuber, Universität Graz
Ehe vor 250 Jahren das Landständische Theater als erstes institutionelles Schauspielhaus in Graz seine Tore öffnete, unterhielten andere Formen des professionellen Spiels das steirische Publikum: Wandertheatertruppen mit ihren Wurzeln in europäischen Spieltraditionen und autochthoner Artistik, das Puppentheater italienischer und niederländischer Schule und nicht zuletzt das Arzttheater mit seiner Verquickung von Heil- und Schauspielkunst.
Die Ringvorlesung wirf einen facettenreichen Blick auf das Phänomen theatraler (Re-)Präsentation im steirisch-innerösterreichischen Geschichtsraum über zwei Jahrtausende. Reale Theatergebäude – das antike Amphitheater in Flavia Solva ebenso wie das italienische Opernhaus am Tummelplatz oder das 1776 (!) eröffnete Schauspielhaus – sollen dabei ebenso vorgestellt werden wie bemerkenswerte Aufführungen (etwa ‚Orfeo ed Euridice‘ des Hofkapellmeisters Johann Josef Fux) oder konkrete Bühnenstars (wie Johann Nestroy, der vor 200 Jahren seine Karriere als Komiker in Graz begann). Der Theaterbegriff soll aber nicht nur gegenständlich, sondern auch metaphorisch-systemisch erfahrbar werden: als Chiffre für berühmte Sammelunternehmen (wie das ‚Theatrum orbis terrarum‘) oder auch als Umschreibung für ‚theatrale‘ Inszenierung in verschiedenen Feldern. Dementsprechend werden auch kartographische Repräsentationen der Steiermark, Gerichts- und Sportspektakel oder Inszenierungen von Glaubensritualen, politischer Macht und Weiblichkeit u.a.m. ihren Platz finden.