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Donnerstag, 02.05.2019, Forschen

Archäologin erweckt antike Skulpturenlandschaft an der Türkischen Riviera zum Leben

Die Türkische Riviera ist ein beliebtes Urlaubsziel für Sonnenhungrige. Was viele aber nicht wissen: Wo sich heute Ferienorte aneinanderreihen, lagen in der Antike florierende Städte. Alice Landskron, Archäologin der Universität Graz, bringt Licht in diese unter Sanddünen begrabene Welt.

Die Region im Süden der Türkei wurde von den Römern Pamphylien genannt. Eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt dieser Gegend war Side, die im Laufe der Zeit fast gänzlich von Sand bedeckt wurde. Seit den 1940er-Jahren brachten türkische Grabungen über 400 Skulpturen und Fragmente zu Tage. Zwar haben die Archäologen ihre Funde bereits wissenschaftlich beschrieben, doch könnten uns die antiken Schätze noch viel mehr verraten: über ihre Herstellung, über Steinbrüche, Werkstätten, Bildhauer und AuftraggeberInnen, über die Orte, an denen sie aufgestellt wurden und zu welchem Zweck, über die Geschichte der Stadt und ihre Skulpturenlandschaft. Alice Landskron hat sich zum Ziel gesetzt, all das aus den erhaltenen Statuen, Fragmenten und Inschriften herauszulesen. Im Rahmen eines vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts liefert sie mit ihrem Team erstmals dieses Gesamtbild für eine Stadt in Pamphylien, ergänzt durch Vergleiche zwischen den Funden aus Side mit jenen anderer antiker Stätten.

Side liegt teilweise unter dem heutigen Ferienort Selimiye begraben. Im dortigen Museum untersucht Landskron die antiken Fundstücke. Das Museum und die Grabungsleitung von Side, die bei der Anadolu Üniversitesi Eskişehir liegt, sind Partner im Projekt. Die Archäologin der Universität Graz konzentriert sich vor allem auf die sogenannte Idealplastik – männliche und weibliche Figuren von Gottheiten, Heroen oder Athleten –, die zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert nach Christus entstanden ist. „Damals war Side eine der reichsten Städte Pamphyliens und der gesamten Region. Zum einen lag sie an der Handelsroute in die Levante und nach Ägypten, zum anderen war sie ein wichtiger Versorgungsposten für militärische Unternehmungen der Römer in Richtung Syrien während der Partherkriege und hatte außerdem eine blühende Landwirtschaft“, erklärt Landskron.

Der Reichtum der Stadt und ihrer BürgerInnen führte zu einer regen Bautätigkeit, die mit der Herstellung einer großen Menge an Skulpturen verbunden war. „Im Zuge der Restaurierung von zwei Tempeln ließ man neue Statuen von Gottheiten anfertigen“, nennt Landskron ein Beispiel. Im Laufe der Zeit verlandete der Hafen von Side und die Stadt wurde nach und nach unter Sanddünen begraben – zum Glück für die Archäologie. Denn so blieben viele Kunstwerke außergewöhnlich gut erhalten.
Wichtig für die Beantwortung der Fragen zur Skulpturenlandschaft und deren Kontext sind aber nicht nur die vorhandenen Statuen oder deren Teile. „Auch das, was nicht mehr – oder noch nicht – gefunden wurde, aber über Inschriften überliefert ist, muss ins Gesamtbild miteinbezogen werden“, unterstreicht Landskron. Inschriften liefern viele wertvolle Informationen über den Kontext, etwa in wessen Auftrag eine Skulptur angefertigt wurde, wer sie gestiftet hat, wem sie geweiht oder wo sie aufgestellt wurde. Zum Teil finden sich auch Hinweise auf Bildhauer.

Um Licht in den Herstellungsprozess zu bringen, untersuchte der Projektpartner Walter Prochaska von der Montanuniversität Leoben Proben des verwendeten Marmors. Vorläufige Ergebnisse gaben Hinweise über die Herkunft des Materials. Stilistische und technische Untersuchungen der Figuren durch die ArchäologInnen und vergleichende Studien zu Skulpturen anderer Fundstätten lieferten weitere Auskünfte über die Bildhauer. „Wir haben auf diese Weise erstmals umfassende Einblicke in die Organisation der Produktion in Pamphylien bekommen. Steinbrüche und Werkstätten arbeiteten offensichtlich eng zusammen und bedienten einen weiten Kundenkreis.
Was die Figuren-Typen betrifft, so stellten die WissenschafterInnen große Parallelen zu den Statuen weiterer Fundorte, wie dem nahe gelegenen Perge oder Ephesos, fest. Einen auffallenden Unterschied gibt es jedoch: „Die Skulpturen von Side sind von besonders hoher Qualität, sowohl hinsichtlich ihrer Proportionen als auch in ihrer feinen Ausarbeitung. Hier waren zweifellos viele Top-Künstler am Werk. Wahrscheinlich handelte es sich in diesem Fall um wandernde Bildhauer“, so Landskron.

Pamphylien wurde bisher in der archäologischen Skulpturenforschung zu wenig beachtet. Untersuchungen von Funden, die den Kontext von Herstellung, Raum und Zeit miteinbeziehen, fehlen weitgehend. Zu Unrecht, meint Landskron, die mit ihrer Pilotstudie die Bedeutung der Region in dieser Hinsicht aufzeigt.

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