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Tiana Jerkovic, BA MA

Institut für theoretische und angewandte Translationswissenschaft
Projekttitel: Körper, Raum und Präsenz beim Gebärdensprachdolmetschen über Video
Betreuerin: Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Nadja Grbić

In einer Zeit des Posthumanismus und der zunehmenden Digitalisierung bleiben auch GebärdensprachdolmetscherInnen von neuen Technologien nicht unberührt. Praktiken wie Videodolmetschen erleben gerade in Ausnahmesituationen wie während des Corona-Lockdowns einen Aufschwung und erweisen sich als unumgänglich für die gesundheitliche Sicherheit. Während des Videodolmetschens agieren DolmetscherInnen jedoch nicht mehr im gewohnten physischen, sondern im virtuellen Raum, wodurch Gefühle der Entfremdung und des Verlusts der Kontrolle und des Präsenzgefühls ausgelöst werden können. Der Körper und seine nonverbalen Signale spielen, wie Studien zeigen, eine zentrale Rolle für das Verständnis des Gegenübers, seiner Intentionen und Emotionen und sind damit ausschlaggebend für eine gelungene gedolmetschte Interaktion. Die Bedeutung des Körpers, des Raums und der Präsenz beim Videodolmetschen mit Gebärdensprache wurde bislang in der Translationswissenschaft jedoch kaum behandelt. Beim Gebärdensprachdolmetschen scheinen diese Konzepte besonders relevant, denn zum einen ist der Körper das Werkzeug, mit dem Sprache im Raum ausgeführt wird, und zum anderen hat dieser für die Gehörlosengemeinschaft auch eine soziale, kulturelle und symbolische Funktion. Im Zentrum dieses Dissertationsprojekts steht daher die Frage, wie soziale Präsenz beim Gebärdensprachdolmetschen im virtuellen Raum erlebt wird. Zum einen wird der Frage nachgegangen, wie DolmetscherInnen ihre Präsenz und ihren Handlungsspielraum empfinden, und zum anderen, wie die Präsenz der DolmetscherInnen von gehörlosen Gesprächsteilnehmenden wahrgenommen wird. Zur Beantwortung dieser Fragen ist ein Experiment mit unterschiedlichen Videokonferenzsystemen und retrospektiven Interviews geplant. Es soll dazu beitragen, der Relevanz menschlicher Aspekte beim Gebärdensprachdolmetschen nachzugehen. Denn während sich die moderne Technologie mit der Frage beschäftigt, wie man Roboter, inklusive animierter Gebärdensprachavatare, „menschlicher“ gestalten kann, bewegen sich VideodolmetscherInnen in die entgegengesetzte Richtung und riskieren, wieder in die überkommene Rolle des Sprachrohrs zurückgedrängt zu werden, das auf Knopfdruck schnell und unkompliziert – beinahe maschinengleich – Wörter in die jeweils andere Sprache transferiert.

Kontakt

Dekanat der Geisteswissenschaftlichen Fakultät
Universitätsplatz 3, Parterre, 8010 Graz

Web:gewi.uni-graz.at

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