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Mag. Nora Kohlhofer

Institut für Antike
Forschungsprojekt: Vergleichende Elemente im bellum Geticum Claudians
Betreuerin: Univ.-Prof. Dr.phil. Ursula Gärtner
Projektdauer: 1.12.2020–30.11.2022

Claudius Claudianus, der ursprünglich wohl aus Alexandria stammt und zunächst in griechischer Sprache schrieb, verfasste als Hofdichter Theodosius’ des Großen und dessen Sohn Honorius vorwiegend Gedichte, die auf aktuelle politische Ereignisse Bezug nahmen und zur öffentlichen Rezitation bestimmt waren. Das Bild des spätantiken Dichters, den man auch als den ‚letzten bedeutenden Repräsentanten der lateinischen panegyrischen und mythologischen Epik‘ bezeichnet hat, wurde allerdings lange von der Negativhaltung gegenüber seiner Zeit bestimmt: In der Forschung war man der Ansicht, die Epoche der Spätantike sei sowohl Symbol des Verfalls im politischen als auch im literarischen Sinne.
Jüngere Untersuchungen haben dazu beigetragen, den spätantiken Dichter in ein ihm angemessenes Licht zu rücken. Als Schöpfer einer neuen Gattung, der Verspanegyrik, steht er zum einen am Anfang eines neu geschaffenen Genres, zum anderen reiht er sich selbst in die Jahrhunderte überdauernde Tradition der antiken Epik und Panegyrik ein.
Vergleichende Elemente - unter diesen werden im Rahmen der Dissertation Gleichnisse, Vergleiche, Synkriseis zusammengefasst – spielen im antiken Epos seit Homer eine wichtige Rolle. Im Laufe der Epochen haben sich hierfür bestimmte Funktionen – wie etwa Visualisierung, Charakterisierung, Retardierung, Strukturierung, Verweise u.Ä. – heraus- und weiterentwickelt. Verschiedene Motive und Bilder haben sich durch zahlreiche, sich überlagernde intertextuelle Bezüge aufgeladen und können somit einen Einblick in tiefere Bedeutungsebenen eines Textes bieten. Dieses Phänomen ist bei den spätantiken Epen aufgrund ihrer Entstehungszeit besonders eindrucksvoll. 
In dieser Dissertation werden daher vergleichende Elemente in einem ausgewählten politischen Gedicht Claudians (bellum Geticum) untersucht, wobei folgende Fragen maßgeblich sind: Wie reiht sich Claudian bildsprachlich in die epische Tradition ein? Welche Bedeutungsverschiebungen von Bildern und Motiven sowie Änderungen in Form und Funktion können festgestellt werden und wie beeinflussen diese die Interpretation? 
Um einen Einblick in Einsatz und Wirkung verschiedener Motive im Gesamtwerk zu bieten, werden ausgehend von den ausgewählten Passagen aus dem bellum Geticum Gleichnisse und Vergleiche mit ähnlicher Motivik aus anderen Gedichten der carmina maiora hinzugezogen. Zur Erstellung von Analysen und Interpretationen der einzelnen Passagen wird die Methode des close-reading herangezogen. Um die starke Aufgeladenheit der einzelnen Bilder und Motive aufzuzeigen, wird zudem auf intertextuelle Referenzen Bezug genommen und nach Auswirkungen der Subtexte auf den Text gefragt. Hierbei wird im Hinblick auf die vergleichenden Elemente vorwiegend auf die großen Epen der griechischen und römischen Antike (Homer, Apollonios Rhodios, Ennius, Vergil, etc.) zurückgegriffen. Im Bereich der einzelnen Motive und Bilder werden auch andere literarische Genera hinzugezogen, wie beispielsweise Theaterdichtung oder die Liebeselegie des ersten vorchristlichen Jahrhunderts.
Ziel ist es, die Besonderheit der spätantiken epischen Bildsprache zu beleuchten. Es soll dargelegt werden, wie inter-, infra- und intratextuelle Bezüge und Referenzen dem Text stärkere Wirkmacht verleihen und mehrere Deutungsstränge eröffnen. Ferner wird ausgeführt, wie der Einsatz von vergleichenden Elementen auf die Charakterzeichnung einzelner Figuren im bellum Geticum – und auch in den anderen carmina maiora – wesentlichen Einfluss nimmt.

Kontakt

Dekanat der Geisteswissenschaftlichen Fakultät
Universitätsplatz 3, Parterre, 8010 Graz

Web:gewi.uni-graz.at

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