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Ausgewählte Projekte 2015

NICOLE-MEALNIE GOLL
Zwischen den Fronten. Kriegsjugend im Spannungsfeld von Mobilisierung und Demobilisierung im Kontext des Ersten Weltkrieges und der ersten Nachkriegsjahre (Tirol/Steiermark)
Das Projektvorhaben widmet sich der sogenannten „Kriegsjugend,  nimmt also jene Generation in den Fokus, die während des "Großen Krieges" aufwuchs und von diesem in unterschiedlicher Art und Weise geprägt wurde. Entscheidender Ansatz des Vorhabens ist es dabei, diese Prägung nicht nur auf die Gewalterfahrungen im Krieg selbst zu beziehen – etwa durch den Fronteinsatz und/oder Erfahrung der Gefangenschaft –, sondern in einer entsprechenden "Erziehung zum Kriege", in einer gesellschaftlichen Militarisierung sowie in der Einbindung aller Gesellschaftsschichten in die Kriegsanstrengungen des Staates zu analysieren. Krieg und Gewalt (abseits der Kampfhandlungen) wurde nicht nur Teil des Alltages, sondern auch zum Dogma der Kriegsgeneration – mit weitreichenden Nachwirkungen, die gerade für den österreichischen Raum bislang noch ungenügend erschlossen sind und die nach 1918 Auswirkungen haben sollten. Für das Projektvorhaben werden dabei die beiden Kronländer Steiermark und Tirol für die Analyse ausgewählt. Untersucht werden sollen u.a. die durch die Kriegssituation aufgebauten Gesellschaftsmodelle und Geschlechterkonstruktionen und ihre Projektion auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene; der Bereich der Erziehung, Bildung und (Berufs-)Ausbildung im Kontext einer "Kriegsgesellschaft"; die Erfahrung im Kriegseinsatz und Gefangenschaft in der Spätphase des Krieges; die Politisierung der "Kriegsjugend", ihre Milieuzugehörigkeit, parteipolitische Verankerung im Speziellen in der Nachkriegszeit. Das besondere Ziel des Vorhabens ist dabei die Erstellung einer (Kollektiv)Biografie sowohl männlicher als auch weiblicher Vertreter der Kriegsjugend (Geburtsjahrgänge 1893 bis 1908). Die Arbeit ist forschungstheoretisch in eine Sozialgeschichte des Krieges eingebettet und ergänzt die neueste Gewalttheorie in ihrer kritischen Analyse der Brutalisierung der Gesellschaft durch den Ersten Weltkrieg (u. a. Dirk Schumann).
MANFRED LEHNER und CHRISTIANE KÄRCHER
Mobilität und Beherbergung im östlichen Alpenraum (500–1500 n. Chr.)
Die Alpen als trennendes und zugleich verbindendes Element zentraleuropäischer Kunst -, Kultur-, Wirtschafts- und damit auch Verkehrsräume sind seit langem Gegenstand unterschiedlichster Forschungen zu jeglicher Art von Transfer zwischen Nord und Süd. Die Bauwerke zur Beherbergung, Verpflegung, Betreuung und Sicherheit von Reisenden aller Art, Händlern, Herrschenden, Gesandten, Soldaten und Pilgern sind neben den Straßentrassen selbst die wichtigsten sachkulturell befundbaren Indikatoren des kulturhistorischen Phänomens des Reisens, wurden jedoch über regionale kunsthistorisch-baugeschichtliche und archäologische Befunde vor allem in den Westalpen und in Italien hinaus bisher noch nicht zusammenfassend und fachübergreifend untersucht.
Ziel des Projektes ist es, diese Lücke für die Zeit zwischen 500 und 1500 nicht nur in Form einer Bestandsaufnahme, sondern auch prospektiv zu füllen. Durch eine interdisziplinäre Erforschung und Darstellung der einschlägigen Monumente und Befunde im östlichen Alpenraum von der Ostschweiz bis nach Slowenien soll geklärt werden, wie, in welcher Form und in welchem Umfang die Erfordernisse, die sich aus der nachantiken Nutzung der Alpen als Transitraum ergaben, zu einer funktionsspezifischen baulichen Überlieferung führten. Damit kann nicht nur das bisher etwas abstrakte Szenario des trans- und inneralpinen Personenverkehrs im Früh-, Hoch und Spätmittelalter greifbarer gemacht und anhand konkreter Baubefunde illustriert, sondern auch ein für die Besiedlungsgeschichte bzw. jeweilige Landeskunde grundlegender diachroner Beitrag zur Frage der Beibehaltung, des Verlustes oder der Neuerschließung ostalpiner Routen und des damit verbundenen kulturellen Transfers geleistet werden.
Im Rahmen des gemeinsam mit Wolfgang Augustyn (Zentralinstitut für Kunstgeschichte München) und Carola Jäggi (Universität Zürich) einzureichenden DACH-Projektes soll an der Universität Graz Personal am Institut für Archäologie (DissentantInnenstelle Befunde Österreich sowie studentische MitarbeiterIn Datenbankbetreuung) und am Institut für Geographie (DissertantInnenstelle Geophysik und GIS) aufgenommen werden.
LUKAS MEYER and TIMOTHY WALIGORE
The Superpsession Thesis: Redressing the Past
Jeremy Waldron’s supersession thesis holds that through changes in circumstances, a historic injustice can be superseded, such that it is wrong to restore the pre-injustice situation. The project analyzes which circumstances matter, different possible versions of the thesis, the adequacy of the theoretical structure of the argument, and how to apply the thesis in particular contexts and cases. The distinct ways supersession can occur are analyzed, including exceeding distributive constraints, changing connections to objects, and lack of continuing identity (or sovereignty). Possible cases include the Roma and Sami, genocide in Namibia, ethnic cleansing in Iraq, and Latin American land reforms.
LUKAS MEYER und IVO WALLIMANN-HELMER
Sustaining the Future of Democracy: Intergenerational Justice and State Responsibility
Skepsis gegenüber der Demokratie als Regierungsform besteht schon seit der Antike und wird seit den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts angesichts von Umweltkatastrophen wieder vermehrt betont. Mit Blick auf den Klimawandel und die unbefriedigenden Klimaverhandlungen wird z. B. gefordert, dass zugunsten einer energischen und gerechten Klimapolitik demokratische Entscheidungsprozesse in den Hintergrund zu treten haben oder allenfalls zu reformieren seien. Gleichzeitig werden in internationalen Verhandlungen zu Umweltherausforderungen und zum Klimawandel Nationalstaaten als die relevanten Akteure angesehen, die Verantwortung übernehmen und entsprechende Vereinbarungen durchsetzen müssen. Mit Blick auf Demokratien setzt dies voraus, dass diese die Bedingungen von kollektiv-verantwortungsfähigen Akteuren erfüllen und die ihnen zugewiesenen Verpflichtungen über Gesetze und Steuern berechtigterweise an ihre Bürgerinnen und Bürger weitergeben dürfen.
Vor dem Hintergrund der Skepsis über die Leistungsfähigkeit der Demokratie, nachhaltige Politikentscheide herbeizuführen, untersucht dieses beim FWF im Rahmen der Einzelprojektförderung zu beantragende Projekt zwei Fragen: 1.) Welche Verantwortung gegenüber der Zukunft der Menschheit und ihren zukünftigen Bürgerinnen und Bürgern kommt Demokratien zu? 2.) Welche institutionellen Veränderungen lassen sich rechtfertigen, um die Wahrscheinlichkeit nachhaltiger Politikentscheide wesentlich zu erhöhen? Als Arbeitshypothese wird angenommen, dass demokratische Entscheidungsprozesse eine veränderte institutionelle Struktur erfordern, damit Demokratien ihrer Verantwortung gegenüber der Zukunft besser nachkommen.
WOLFGANG SPICKERMANN und LEIF SCHEUERMANN
Rom oder Athen? Stadträume des zweiten Jahrhunderts im Vergleich
Im 2. Jh. n. Chr. erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung. Kaiser wie Trajan, Hadrian, Antoninus Pius, Marc Aurel sorgten zwar für wirtschaftlichen Wohlstand und inneren Frieden, doch gab es immer mehr Probleme an den Grenzen des Riesenreiches. Die Zeit war geprägt von einem Aufschwung des Bürgertums in den Städten und einer großen Verbreitung griechischer Bildung (Paideia), die zu einer großen Wertschätzung von insbesondere griechischer Philosophie und Rhetorik führte. Rom erlebte dabei eine Blütezeit als politisches und (neben Athen) kulturelles und ideelles Zentrum des Reiches. Dies ließ einerseits eine "Romidee" (Aelius Aristeides, Romrede) entstehen, führte aber auf der anderen Seite auch zu einer schroffen Ablehnung Roms als ungriechisch und einer Idealisierung Athens. Diese Polarisierung Rom-Athen machte die beiden Städte zum Thema in zahlreichen Schriften insbesondere von Vertretern der einsetzenden 2. Sophistik. Das hier vorgestellte Projekt thematisiert die Stadträume dieser Texte. Hierbei werden Räume als individuelle, gruppenspezifische und medial vermittelte Ordnungs-Systeme verstanden, wobei jedoch nur die letztgenannten, vermittelten Räume einer historischen Analyse direkt zur Verfügung stehen. Diese sollen herausgearbeitet werden, und, in einem zweiten Schritt, auf ihren Aussagegehalt für die individuellen Räume der Autoren, wie auch für die durch gesellschaftliche Gruppen produzierten Räume analysiert werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, ob sich das in spezifischen Quellen (bes. Aelius Aristides; Lukian) hervorgehobene Lob bzw. die Kritik an Rom und Athen in der Quantität und Qualität der topographischen Nennungen widerspiegelt, oder ob sich die polemisch vorgetragenen Bewertungen und die Idealbilder der Städte nicht gerade im Widerspruch dazu stehen. Ferner werden die für die beiden Städte separat erarbeiteten Ergebnisse miteinander verglichen, um einerseits das individuelle "Image" Roms und Athens weiter zu schärfen und andererseits übergreifende Muster von Raumordnung im Untersuchungszeitraum zu gewinnen. Hierbei stellt sich die Frage nach der generellen Charakterisierung von Städten im zweiten Jahrhundert ebenso wie nach Differenzen zwischen dem griechisch dominierten östlichen Mittelmeerbereich, und dem lateinischen Westen im Rahmen der gemeinsamen literarischen Strömung der zweiten Sophistik.

Kontakt

Geisteswissenschaftliche Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz
Universitätsplatz 3, Parterre, 8010 Graz
Dekan Univ.-Prof. Dr.phil. Michael Walter Telefon:+43 (0)316 380 - 8018
Fax:+43 (0)316 380 - 9700

Web:gewi.uni-graz.at

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