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Ausgewählte Projekte 2012

Beschreibung der ausgewählten Projekte

BIEBER, FLORIAN
Staatliche Legitimität und Kohäsion in Südosteuropa
Das Projekt sieht die Ausarbeitung eines Antrages für ein FWF Doktoratskolleg vor. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Staat und Nation in Südosteuropa hat in der jüngere Forschung oftmals die Rolle der Eliten überwogen, ohne jedoch die Rolle des historischen Erbes oder auch gesellschaftliche Reaktionen und die Wechselbeziehung zwischen Eliten und Gesellschaft ausreichend zu berücksichtigen. Zudem haben in der Südosteuropaforschung oftmals die Auseinandersetzung mit der Schaffung von Nationalstaaten und von nationaler Identität einerseits und der Transfer oder die Ablehnung westlicher Modelle anderseits dominiert. Diesen Fragenstellungen liegt die Annahme zugrunde, dass Südosteuropa einen Sonderweg bzw. eine verspäteten Modernisierungsprozess im Verhältnis zum restlichen Europa durchlaufen hat.
Dieses Projekt beabsichtigt über diese Perspekitve hinaus zu gehen, und innovative Zugänge zu Legitimitätsmechanismen staatlicher Herrschaft und gesellschaftlicher Reaktion zu fördern. In Folge ist die Schaffung nationaler Identitäten und Staatlichkeit nicht entweder ein von Elite aufoktroyierter Prozess oder eine quasi-natürliche Entwicklung seitens der Gesellschaft, sondern wird durch die Wechselwirkung zwischen Staat und Gesellschaft ausverhandelt.
Die inhaltliche Ausrichtung des DK soll insbesondere die unterschiedlichen disziplinären Schwerpunkte der Südosteuropaforschung an der Universität Graz nützen, so dass der Dialog zwischen Kultur-, Geschichts-, Politik-, und Rechtswissenschaften, sowie Theologie gefördert wird.
GOLTSCHNIGG, DIETMAR
Wolfgang von Weisl und seine Familiengeschichte. Vom Untergang des Habsburgerreiches zur Gründung des Staates Israel
Der 1896 in Wien als Sohn einer angesehenen jüdischen Juristenfamilie geborene, 1974 in Jerusalem verstorbene Wolfgang von Weisl war als zionistisch-revisionistischer Politiker und Artilleriekommandant, aber auch als Journalist und Publizist, Schriftsteller (Erzähler, Dramatiker, Sachbuchautor) und Arzt maßgeblich an der Gründung und dem Aufbau des Staates Israel beteiligt. Angesichts der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland und der Errichtung des austrofaschistischen Ständestaats verfasste Weisls Mutter 1934 eine Familienchronik, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Einer der ältesten Ahnherrn der Familie, Joachim Popper, wurde 1669 als angeblich erster Jude im Habsburgerreich von Kaiser Leopold I. nobilitiert. Besondere Beachtung gilt auch Wolfgang von Weisls Schwester Marianne (verh. Beth, 1890-1984), die als erste in Österreich promovierte Juristin eine führende Rolle in der österreichischen Frauenbewegung spielte, bevor sie 1938 mit ihrer Mutter in die USA emigrierte. Das Projekt, an dem Charlotte Grollegg-Edler, Patrizia Gruber und Victoria Kumar mitarbeiten, ist insbesondere auf folgende Ziele ausgerichtet:
  • Editionen der Weislschen Familienchronik und einer Auswahl der vor allem in der „Neuen Freien Presse“ und der „Vossischen Zeitung“ publizierten Artikel Wolfgang von Weisls
  • Monographien Wolfgang und Marianne von Weisls
HERMANIK, KLAUS-JÜRGEN
The Jewish Community of Yugoslavia
Dieses Projektvorhaben ist grundsätzlich interdisziplinär ausgerichtet und es verbindet zum ersten Mal die an der KFUG bereits bestehenden Forschungsausrichtungen der jüdischen Kultur und Geschichte mit Forschungsfeldern Südosteuropas. Die thematische Fokussierung erfolgt auf die jüdische Gemeinde in Jugoslawien, wobei sich der zeitliche Rahmen auf die Ära des sozialistischen Jugoslawien (1945-1989/90) sowie die der Transition/des Zerfalls von Jugoslawien (1990-1995) erstreckt.
Dieses Thema ist in der Fachliteratur bei weitem nicht abgedeckt und eine historisch-anthropologische Zugangsweise, die die Erinnerungskulturen und die Einblicke in die (vergangene) Alltagskultur sowie in das jüdisch-religiöse Leben in Jugoslawien vor allem auf Basis von Interviews mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens wissenschaftlich erforscht, fehlt im Grunde. Im Rahmen der Fragestellungen der jüdischen Identitätsbildung und Identitätskonstruktion ist im Hinblick auf Jugoslawien noch im Besonderen auf die innerjüdischen boundaries zwischen den aschkenasischen und den sephardischen Gemeinden zu achten. Aus den Forschungsdaten, die in den einzelnen Mikrostudien erhobenen werden, sollen zudem die Auswirkungen der jugoslawischen Nationsbildungsprozesse auf die jüdischen Gemeinden in den einzelnen Teilrepubliken in besonderem Maße fest gemacht werden, da diese die Konstruktion eines Jugoslawismus erhellen. Nicht zuletzt werden im Forschungsprojekt auch Fragen der jüdischen Migration (Mobilität) erörtert, da dieses Thema die gesamte Forschungsperiode durchzieht.
MEYER, LUKAS; STUART, AMELIE; REITINER, CLAUDIA; STELZER, HARALD
Climate Justice and the Imposition of Risks of Rights Violations
Climate change implies the risk of violating basic rights of future people – their rights to survival, health, sufficiency and autonomy. If currently living people can prevent such dangerous climate change from occurring or can minimize the dangerous consequences, climate change is an issue of intergenerational justice. The determination of what currently living people owe future people is complicated by our limited knowledge of the long-term consequences of our actions: by their actions currently living people cannot be said to harm future generations directly, they rather impose a risk of harm on them. The project assumes that we can interpret the problem of the imposition of risks of rights violations from the perspective of intergenerational distributive justice by applying a risk-averse approach to policy on the basis of a rights-based sufficientarianism. The project will integrate two different levels: First, in working out a plausible interpretation of the evaluation of the imposition of risks of rights violations from the perspective of (intergenerational) sufficientarianism we will develop a general normative framework for evaluating different situations of risk. Second, we will investigate what this account implies for different highly important policy dimensions of responding to climate change.
PFANDL, HEINRICH; TROPPER, EVA; WONISCH, ARNO
Zur sprachlichen und visuellen Verhandlung von Identität auf Postkarten der slowenisch-deutschsprachigen Steiermark 1885–1918
Das vorgestellte Projekt basiert auf einem linguistischen/kulturologischen sowie historischen/bildsemiotischen Zugang zur (ethno)linguistischen Situation des zweisprachigen Teils der Steiermark in den letzten drei Jahrzehnten der Österreich-Ungarischen Monarchie. Als Quelle dienen sowohl topographische, wie auch motivische Postkarten aus dieser Zeit aus dem zweisprachigen Teil des Kronlands Steiermark, wobei als Vergleichsobjekte auch Postkarten (vor allem Ansichtskarten topographischer Natur) aus anderen slowenisch-deutschen Teilen der Donaumonarchie herangezogen werden. Beim Genre der Postkarte handelt sich um ein multimediales, damals neu entstandenes, in Bild und Wort verhaftetes Kommunikationsmittel.
Die Umsetzung der Ergebnisse der Forschungsarbeit und die Dissemination von deren Erkenntnissen ist in interdisziplinär angelegten Lehrveranstaltungen, Diplomarbeiten und/oder Dissertationen, einer Ausstellung, einem Workshop, einer abschließenden internationalen Tagung sowie in zahlreichen Vorträgen und Publikationen, sowie der Erstellung einer im Internet allgemein zugänglichen Datenbank der Vorder- und Rückseiten der gesammelten Karten geplant. Dies dient auch einem der vorrangigen Ziele des Projekts – den heutigen Generationen der Steiermark die sprachliche und kulturelle Vielfalt ihrer Heimat bis 1918 bewusst zu machen.
PFANDL-BUCHEGGER, INGRID; LANDSIEDLER, ISABEL; INSAM, MILENA
Fremdsprachenunterricht mit audio-vokalem Training (FauvoT)
FauvoT (Fremdsprachenunterricht mit audio-vokalem Training) ist ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt in den Bereichen Fremdsprachenunterricht und Spracherwerbsforschung, an dem die Karl-Franzens Universität Graz, die Technische und die Medizinische Universität Graz sowie die  Landesnervenklinik Sigmund Freud beteiligt sind. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, ausgehend von einem ‚audio-vokalen‘ Training, eine innovative Methode für das Fremdsprachenlernen sprachwissenschaftlich zu erforschen, zu testen und für den Sprachunterricht zu optimieren. Im Gegensatz zu traditionellen Methoden wird im audio-vokalen Training dem Hören besondere Bedeutung beigemessen. Durch ein konzentriertes Hörtraining mit elektronisch modifiziertem Audiomaterial wird speziell für erwachsene Lernende der Zugang zur fremdartigen Klangwelt der zu erlernenden Zielsprache(n) erleichtert und so der Lernerfolg beschleunigt und verbessert.
Im Bereich der Ausspracheoptimierung im Fremdsprachenerwerb wurden bereits erste Schritte in diese Richtung getätigt. Es bedarf jedoch der Durchführung weiterer laufender Studien im Fremdsprachenunterricht, um den Erfolg der Methode langfristig zu untersuchen und ihre wissenschaftliche Wertigkeit zu überprüfen. Aus diesem Grund wird ein Drittmittelprojekt angestrebt, welches die interdisziplinäre Ausweitung der bisher erfolgten Untersuchungen ermöglichen soll. Im Rahmen eines solchen Drittmittelprojekts soll sowohl eine interdisziplinäre Erforschung der wissenschaftlichen Grundlagen der audio-vokalen Methode als auch eine ausgedehnte Datensammlung und -überprüfung erfolgen, um bisherige und zukünftige Ergebnisse vor dem Hintergrund adäquat großer Probandengruppen evaluieren zu können.
PROMITZER, CHRISTIAN
Zwischen Pest und Cholera: Die Abwehr von Seuchen und die Anfänge des öffentlichen Gesundheitswesens im südöstlichen Europa (1828-1912)
Zu den negativen Zuschreibungen, die die prekäre Stellung des südöstlichen Europas gegenüber den Kernregionen des Kontinents ideologisch fixieren, gehören auch Bilder vom „schmutzigen“ Balkan. Eines der wichtigsten Ziele des Forschungsvorhabens ist es, diese Bilder zu relativieren und zu zeigen, dass die frühestens in den 1830er Jahren einsetzende Errichtung von Strukturen öffentlicher Gesundheit im Osmanischen Reich und seinen Nachfolgestaaten Prozesse nachholender Modernisierung sind, die auch als Versuche einer sozialen Disziplinierung weitgehend agrarisch geprägter Gesellschaften zu betrachten sind.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die Abwehr von Pest und Cholera durch Quarantänen und sanitäre Reformen, die Bekämpfung der Pocken mit Hilfe von Massenimpfungen und schließlich die Bekämpfung der Malaria durch Assanierung von Feuchtgebieten und staatliche Massenverabreichung von Chinin. Dabei sind die geoepidemiologische Einschätzung der Balkanstaaten durch die Habsburger Monarchie und die Tradition der Pestfront an der Militärgrenze besonders ins Auge zu fassen. Die Resultate des Projekts sollen in einem Überblicksband und ausführlichen Einzelstudien über die Entwicklungen des Gesundheitswesens in ausgewählten Ländern und Provinzen Südosteuropas (u.a. Bosnien-Herzegowina, Serbien, Bulgarien, Rumänien) erarbeitet werden.
RINOFNER-KREIDL, SONJA
(I Can’t Live) With or Without You. A Phenomenological Defense of Intuitions
Many 20th century-philosophers were deeply suspicious of intuitions because relying on intuitive seemings was meant to jeopardize the critical attitude of rational analysis. Meanwhile, it has, however, become clear that the topic of intuitions forcefully turns up again, especially in epistemology, philosophy of science and ethics. For instance, this is obvious with regard to thought-experiments and fictitious cases that play a significant role with a view to current rivalries of armchair-philosophers and experimental philosophers.
By interfering in these debates, this research project aims at elaborating a new defense of intuitions within a phenomenological framework. Thereby, the crucial issue at stake is whether a phenomenologically-based intuitionism is able to offer a moderate, context-sensitive, and viable foundationalism.
SCHERRER, PETER; TAUSEND, KLAUS; LEHNER, MANFRED; TAUSEND, SABINE
Archäologie und Geschichte von Pheneos. Urbanistische und historische Entwicklung einer arkadischen Polis
Im Nordosten der antiken Landschaft Arkadien liegt zwischen 2400 Meter hohen Gebirgszügen das Becken von Pheneos mit seinem gleichnamigen Hauptort. Seit 2011 finden in Pheneos erstmalig systematische Ausgrabungen unter der gemeinsamen Leitung von P. Scherrer (Universität Graz) und K. Kissas (Ephorie Korinth) statt, die zunächst der Feststellung der Befestigungsanlagen und des daran anschließenden Areals dienen und für fünf Jahre geplant sind. Zusätzlich zu den laufenden Ausgrabungen sollen im Rahmen eines Forschungsprojektes folgende Fragestellungen behandelt werden:
  • Die Siedlungsentwicklung von Pheneos von prähistorischer bis in byzantinische Zeit als Paradigma für die Entwicklung griechischer Städte in Hochgebirgslandschaften.
  • Die Siedlungsausdehnung der antiken Polis und die Urbanistik der Stadt Pheneos, einschließlich der Identifikation der in den antiken Reiseberichten genannten Wege, öffentlichen Gebäude und Kultstätten.
  • Landschaftsarchäologie, Verkehrslage und Straßennetz im gesamten Becken.
  • Wirtschaftliche Grundlagen, Subsistenz und Handelsbeziehungen; Münzprägung.
  • Die politische Rolle von Pheneos in der griechischen Geschichte; die Beziehungen zu den benachbarten Poleis; die militärische und strategische Rolle des Verteidigungssystems.
  • Verteilung und Entwicklung der übrigen Siedlungen des Beckens.
  • Der Beitrag von Pheneos in der Kunst speziell des arkadischen Raumes.
  • Die Kulte im Becken von Pheneos und ihr Bezug zur restlichen griechischen Welt.
ZIEGLER, ARNE
Jugendsprache(n) in Österreich
Teil 1: Zur Interaktion von Dialekt und alterspräferentiellem Sprachgebrauch jugendlicher Sprecher im urbanen Raum
Teil 2: Zur Interaktion von Dialekt und alterspräferentiellem Sprachgebrauch jugendlicher Sprecher im ruralen Raum

Im deutschsprachigen Raum steht der regen Auseinandersetzung mit dem Sprachgebrauch Jugendlicher in der bundes- und schweizerdeutschen Germanistik  eine in Österreich de facto nicht existente Jugendsprachforschung gegenüber. Die Erforschung alterspräferentieller Varianten hinsichtlich des Zusammenspiels verschiedener Sprechstile, Varietäten und (Fremd-)Sprachen stellt in Österreich ein dringendes Desideratum dar.
Das geplante Projekt untersucht Jugendsprache(n) in Österreich aus varietätenlinguistischer und pragmatischer Perspektive und liefert Analysen grammatischer sowie prosodischer Phänomene in mündlichen Äußerungen Jugendlicher Österreichs. Jugendlicher Sprachgebrauch wird als Teil des Spektrums muttersprachlicher bzw. lokalsprachlicher Kompetenz aufgefasst. Da Jugendsprachen in Österreich stark dialektal beeinflusst sind, bezieht das Projekt eine dialektologische Perspektive mit ein, berücksichtigt aber auch – besonders im Bereich urbaner Ballungszentren – Phänomene des Sprachkontakts mit Migrationssprachen.
Drei zentrale Ziele werden dabei verfolgt: Erstens sollen erstmalig in diatopischer Gewichtung Freizeitgespräche unter Jugendlichen sowie als Vergleich Gespräche unter Erwachsenen in Österreich als Korpus dokumentiert und nach Abschluss des Projekts der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zweitens wird als linguistisches Ziel die Erfassung und Beschreibung alterspräferentieller Varianten mit besonderem Fokus auf dem Zusammenhang von Jugendsprache und Dialekt verfolgt. Drittens hat das Projekt ein didaktisches Ziel: Die Projektergebnisse sollen methodisch-didaktisch aufbereitet und in Auszügen als Materialien für den muttersprachlichen Deutschunterricht, aber auch für den DaZ- und DaF-Unterricht, angeboten werden.

Kontakt

Geisteswissenschaftliche Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz
Universitätsplatz 3, Parterre, 8010 Graz
Dekan Univ.-Prof. Dr.phil. Michael Walter Telefon:+43 (0)316 380 - 8018
Fax:+43 (0)316 380 - 9700

Web:gewi.uni-graz.at

Forschungs-management und -service

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